Interview mit Peter Fuß, Ernst &Young: „Die neue Mobilität kann sich schon heute für Unternehmen rechnen“

Elektroautos sind teuer. Ihr Absatz im Endverbrauchermarkt ist daher eher schleppend. Für Unternehmen könnte die Rechnung aber ganz anders aussehen.

„Elektromobilität für Mitarbeiter könnte hier deutlich günstiger sein als die Steuervorteile für Dienstwagen oder Dienstfahrräder.“ Dies ist nur eines der Ergebnisse eines Gespräches mit Peter Fuß, Senior Advisory Partner Automotive bei Ernst & Young ( E&Y ) 

    Peter Fuß spricht regelmäßig mit den Entscheidungsträgern der Autoindustrie, mit Zulieferern und mit Autohändlern. Seine spannende Vision einer nachhaltigen neuen Mobilität hat einen Vorteil gegenüber den derzeit kursierenden Heilsversprechen durch Elektromobilität. Sie ist kühl durchgerechnet und sie zeigt, welche komplexen Herausforderungen sich aus dieser neuen Mobilität ergeben – Herausforderungen an die Industrie, an die Zulieferer, an die neuen Marktteilnehmer und nicht zuletzt an die Kunden.


Peter Fuß:
Wir haben einen guten Einblick in die Dinge, die die Autoindustrie umtreiben – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit, auch in den relevanten Wachstumsmärkten wie China, Indien oder auch USA, Russland. Das macht auch das Spannungsfeld aus, indem wir uns jeden Tag bewegen. Diese Industrie beschäftigt sich seit 127 Jahren permanent und intensiv mit dem Thema Mobilität. Natürlich vordergründig zunächst einmal mit dem Automobil, das wird sich aber in Zukunft ändern, weil sich die Mobilitätsanforderungen der Kunden weltweit verändern. Das ist nicht nur vor dem Hintergrund Klimawandel zu sehen, der es mit sich bringt, dass wir immer stärker auf die Elektrifizierung des Antriebes setzen, sondern es gibt einen Wandel der Bedürfnisse, was das Thema Eigentum betrifft, aber auch was mit dem Begriff integrierte Mobilität bezeichnet wird. Wir alle stehen also vor weit größeren Herausforderungen.

IP-GreenMobility: Der mediale Hype um das Elektroauto, dieses „Wir werden also auf jeden Fall elektrisch in die Zukunft fahren“ ist also nur ein Teil einer weltweiten Veränderung in den Märkten und auch im traditionellen Geschäftsmodell?

Peter Fuß: Ja, die Automobilindustrie steht einerseits vor der Herausforderung, die notwendige Elektrifizierung durchzuführen, denn die fossilen Brennstoffe sind nun einmal endlich. Die Industrie erkennt, dass wir nun neue Möglichkeiten brauchen, um die Energie bereitzustellen, die wir auf allen Mobilitätsfeldern, nicht nur beim Auto, sondern auch beim LKW benötigen. Das ist nur eine Veränderung – die zweite Veränderung ist die, dass es den Kunden heute nicht mehr reicht, ein Auto zu haben. Sie wollen integrierte Mobilität, sie wollen mehr Flexibilität, sie wollen Abwechslung, und sie sind nicht mehr bereit, nur für den Besitz eines Autos zu bezahlen. Der Wunsch, sich durch Besitz zu differenzieren, mag in den Schwellenländern, z.B. in China derzeit noch etwas anderes sein, aber grundsätzlich bedarf es mehr, als den Kunden nur ein Auto mit Elektroantrieb vor die Tür zu stellen. Themen wie Carsharing werden immer wichtiger, und für die Firmen wäre das das Thema Carpooling. Es geht ja nur darum, die Mitarbeiter einfach und clever von A nach B zu bekommen. Der Kunde versteht, dass Besitzansprüche an ein Auto auch eine Verpflichtung bedeuten, und ein Auto steht oft 93% der Zeit nur herum, ich nutze es als Kunde nur zu 7%, ich muss mich aber um die Wartung kümmern, um Inspektion, um Reparaturen, und da frage ich mich schon: Wäre es nicht vielleicht besser, ein Auto mit anderen zu teilen? Um flexibler zu sein, um auch nicht fest gebunden zu sein an einen Autotyp. Die Familie braucht einen Kombi, aber ein Familienmitglied möchte auch mal Cabrio fahren, auch wenn die finanziellen Mittel für einen solchen Zweitwagen nicht reichen. Da wird heute mehr gefordert von Industrie und Handel als das bisher der Normalfall gewesen ist. Es reicht nicht mehr aus, nur am Design etwas zu verändern, oder auch an der Antriebstechnologie – da müssen Mobilitätsdienstleistungen mit entwickelt werden.

IP-GreenMobility: Es gibt also keinen Normalfall mehr bei den Bedürfnissen der privaten Nutzer. Wie sieht das auf der anderen Seite mit den Unternehmen aus, wenn über 60% der Fahrzeuge in Deutschland als Firmen- und Dienstwagen zugelassen und unterwegs sind? Diese gelernte Nutzung in den Firmen – wo sehen Sie da Chancen und Risiken für Unternehmen, und damit für den Standort Deutschland?

Peter Fuß: Das ist richtig, Mobilität findet in Deutschland sehr viel in Firmen statt, weil die Mitarbeiter in der Regel viel unterwegs sind, um neue Aufträge zu akquirieren oder um bei den Kunden vor Ort Dienstleistungen zu erbringen. Dafür haben wir in Deutschland ja die günstige Steuerregelung, die dafür gesorgt hat, dass viele Mitarbeiter einen Dienstwagen fahren. Das ist aus der Sicht der Unternehmen ein großer Kostenfaktor. Unternehmen denken im weltweiten Wettbewerb immer darüber nach, wie man Kosten einsparen kann, auch vor dem Hintergrund, dass mehr Green Technology gefordert wird. Man will Energiekosten einsparen, denn die Energiepreise sind immer höher gestiegen, da ist die Elektrifizierung unter Umständen günstiger – nicht in der Anschaffung, aber im nachhaltigen Betrieb. Diese Entwicklung hat einen Einfluss darauf, wie die Firmenflotten der Zukunft aussehen werden, denn im Flottenbereich ist es besonders wichtig, dass die Fahrzeuge permanent bewegt werden, dass sie nicht ungenutzt herumstehen, denn dieses Herumstehen kostet die Unternehmen bares Geld. Durch ein cleveres Carpooling kann ich innerhalb einer Firma einen besseren Austausch leisten. Da kann je nach Bedürfnis eine ganze Bandbreite von Fahrzeugen genutzt werden, und dadurch kann der Kostenfaktor gesenkt werden. Hinzu kommt: Ich kann Anreize schaffen, weil der Dienstwagenberechtigte nun nicht mehr nur Zugriff auf einen Typ hat, sondern möglicherweise in der Zukunft auf eine ganze Fahrzeugflotte. Wenn man das weiter denkt, geht es viel mehr darum, Mobilität grundsätzlich anders anzubieten. Diese beschränkt sich nicht mehr auf ein bestimmtes Auto, sondern auf eine integrierte Mobilität. Der einzelne Mitarbeiter hat dann Anspruch auf ein Mobilitätsportfolio, das aus unterschiedlichen Mobilitätsträgern besteht, und ein solches Angebot kann einen Arbeitgeber für die Mitarbeiter gegenüber dem Wettbewerb interessanter machen, wenn in anderen Unternehmen nur eine Möglichkeit angeboten wird. Unternehmen sind daher gefordert, zum einen die Kosten der betrieblichen Mobilität in den Griff zu bekommen, und andererseits im demografischen Wandel für die Mitarbeiter attraktiver zu werden als der Wettbewerb. Da spielt das Mobilitätsangebot eines Arbeitgebers eine große Rolle.

IP-GreenMobility: Das hört sich so an, als ob es gar nicht stimmt, was uns unsere Medien landauf, landab vermitteln: dass Elektromobilität für die Kunden eine Verteuerung bedeutet, und dass die Fahrzeuge derzeit gerade auch im betriebswirtschaftlichen Kontext der Unternehmen noch zu teuer sind. Elektromobilität mit Carpooling könnte also schon heute günstiger sein als die herkömmlichen Angebote?

Peter Fuß: Je nachdem wie sie eingesetzt wird, ja. Elektromobilität ist in der Anschaffung in der Tat sehr teuer, und wenn die Fahrzeuge dann zu 93% nicht eingesetzt werden, dann würde das besonders teuer. Deshalb ist es geboten, diese Kosten zu amortisieren, und dazu ist es notwendig, dass die Elektrofahrzeuge mehr bewegt werden, und das ist natürlich im Rahmen eines Carpooling deutlich besser zu erreichen, als wenn jeder Einzelne seinen Dienstwagen hat. Und wenn man hier das Total Cost of Ownership zugrunde legt, dann kann sich eine Elektroflotte gegenüber einer herkömmlichen Flotte von Benzin- oder Dieselfahrzeugen durchaus rechnen.

IP-GreenMobility: Klasse. Das heißt Elektromobilität, und Carpooling oder Carsharing sind also ein Package Deal, mit denen sich die Unternehmen, die sich hier engagieren, auch gegenüber ihren Mitbewerbern, anders und besser darstellen können?

Peter Fuß: Durchaus, und wenn man das weiter denkt, läuft es auf integrierte Mobilität hinaus, wenn weitere Angebote eingeschlossen werden, wie etwa die Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs. Das Jobticket kann man sich auch im Sinne eines Kreditkartensystems vorstellen, mit dem die Mitarbeiter bestimmte Mobilitätsanbieter nutzen können, und dies kostenlos, unabhängig davon, ob sie privat oder für die Firma unterwegs sind – da gibt es sehr, sehr viele Ansatzpunkte, um so ein Mobilitätspaket zu schnüren, was nicht nur für den Mitarbeiter interessanter ist, sondern auch für den Unternehmer.

IP-GreenMobility: Sie haben damit einen blinden Fleck in der bisherigen Entwicklung am Markt der Elektromobilität benannt, der stärker thematisiert werden sollte – welche weiteren Ansatzpunkte sehen Sie?

Peter Fuß: Was sicher im Zusammenhang mit der weiteren Elektrifizierung notwendig ist, ist die Infrastruktur. Die Ladeinfrastruktur muss weiter ausgebaut werden, dort sind heute Unternehmen dabei, dort könnte noch mehr passieren, um Elektromobilität in der Flotte attraktiver zu machen. Subventionen sind eine weiterer Aspekt. Wünschenswert wären Anschubfinanzierungen für Gewerbe und Startups, hier sollte man nicht nur private Nutzung steuerlich günstiger machen, sondern über einen begrenzten Zeitraum für Unternehmen die Anschaffung subventionieren. Das war in anderen Bereichen durchaus erfolgreich. Nachhaltig muss sich die Elektromobilität gegenüber dem Verbrennungsmotor rechnen. Das kann man nicht dauerhaft subventionieren, aber es gibt noch andere Möglichkeiten. Elektrofahrzeuge können besondere Berechtigungen erhalten, z.B. im Stadtverkehr die Benutzung der Busspur. Damit wird innovatives Mobilitätsverhalten belohnt, und es werden Anreize für den gewerblichen Stadtverkehr geschaffen.

IP-GreenMobility: Jenseits dieser wünschenswerten Entwicklungen, wie ist die Situation in den Unternehmen selber? Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei Ihren Kunden, womit können die bereits gut umgehen, was ist bereits gelernt und wo verzweifeln sie? Ihre Schilderung zeigt doch, wie komplex diese Aufgabe ist, und ohne Übertreibung lässt sich vermuten, dass angesichts dieser Aufgabe ein Flottenmanager schon arg überfordert ist. Reicht es überhaupt aus, wenn eine Person oder eine Abteilung für die neue betriebliche Mobilität zuständig ist?

Peter Fuß: Es ist komplexer geworden, weil es in der Tat nicht mehr um das reine Thema Automobilität geht, sondern eben um integrierte Mobilität. Carsharing und Carpooling sind Grundvoraussetzungen dieser integrierten Mobilität. Bei der Elektromobilität muss ich natürlich immer noch berücksichtigen, wie die Infrastruktur, und besonders die Ladeinfrastruktur, aussieht. Es reicht ja nicht aus, den Mitarbeitern Elektroautos zur Verfügung zu stellen, denn es muss gewährleistet sein, dass die Mitarbeiter mit den Autos auch fahren können, und das können sie nur, wenn eine entsprechende Infrastruktur vorhanden ist. Das können beispielsweise Ladesäulen im Unternehmen sein, wenn die Mitarbeiter zu Hause die Fahrzeuge nicht aufladen können. Und dann darf man nicht unterschätzen, wieviel Unsicherheit es gibt, einfach weil noch keine Erfahrungswerte da sind. Wie sieht das mit der Wartung aus? Wie sieht das mit dem Thema Reparaturanfälligkeit aus – Elektrofahrzeuge im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen? Das wird in den ersten drei Jahren durch die Garantie des Herstellers abgedeckt werden, trotzdem fehlt hier noch die Erfahrung. Und es fehlt die Erfahrung, wie sich das im Volumen auch wirklich unter dem Strich auszahlt, oder ob es noch zusätzliche Kosten gibt, über die man sich im Augenblick noch gar keine Gedanken gemacht hat.

Es klingt auch wirklich danach, dass man als Unternehmen hier einen externen Blick auf die Kosten braucht, sich gut beraten lassen muss, um nichts zu übersehen in der Euphorie, oder um den Mut zu fassen, weil man es einmal durch konkrete Zahlen vorgerechnet bekommt, dass man schwarz auf weiß die Unterschiede sieht.

IP-GreenMobility: Herr Fuß, nun beraten Sie ja auch die Hersteller, die Autoindustrie, und sie haben auch einen Blick auf die Kosten, die hier durch die Zusammenarbeit mit den neuen Startups und anderen Unternehmen entstehen, die neu im Rahmen der neuen Mobilität in den alten Markt eintreten. Es gibt dort Kooperationen von Audi oder anderen Premium-Herstellern mit Internetgiganten wie Google, es ist da sehr viel in Bewegung. Wie beurteilen Sie die Allianzfähigkeit der Partner, wenn eine 127 Jahre alte Autoindustrie auf Silicon Valley trifft, wo in ganz anderen Zeiträumen und anderen Kostenstrukturen gedacht wird? Wie sieht es mit der Kooperationsfähigkeit gegenüber Unternehmen aus, die sich mit Geschäftsmodellen wie Carsharing als Anbieter der neuen Mobilität in einer ganz anderen Welt bewegen? Das Carsharing kommt ja aus der Ecke der studentischen Milieus, andere sind eher internet-getrieben – wie kann man das mit den Servicekulturen der Autohäuser zusammenbringen, und mit den dort gelernten Erwartungen der Kunden – das alles zusammen zu bringen, das ist doch auch eine große Herausforderung, oder?

Peter Fuß: Es sind unterschiedliche Entwicklungszyklen, die hier aufeinanderstoßen: Die Automobilindustrie selber denkt natürlich in sehr langen Zyklen. Sie ist darauf ausgerichtet, von der einen in die andere Fahrzeuggeneration zu kommen, da vergehen in der Regle Zeiträume von 6 und 9 Jahren. Zugegeben, mittlerweile werden die Zyklen etwas kürzer, als wir das vielleicht in den letzten 127 Jahren erlebt haben, aber die Entwicklungszyklen in IT- oder Internetfirmen sind damit natürlich nicht zu vergleichen – da  wird quasi permanent an irgendwelchen Betaversionen gearbeitet! Diese Entwicklungszyklen auch nur zu synchronisieren, ist schon eine Herausforderung. Derzeit ist das am Beispiel des Connected Car zu sehen. Da wird Informationstechnologie in ein Fahrzeug integriert, und dabei ist es natürlich unverzichtbar, dass die unterschiedlichen Player Autoindustrie und Internet- und IT-Firmen sich auf Augenhöhe begegnen und die stets unterschiedlichen, aber gemeinsamen Herausforderungen auch gemeinsam zu erkennen und auch versuchen, sie gemeinsam zu meistern. Die Automobilindustrie bewegt sich, aber sie muss sich weiter aus ihrer Kernkompetenz heraus bewegen. Man war gewohnt, Motoren, Getriebe und Fahrzeuge zu entwickeln; in dem ganzen Bereich IT und Internet hat man noch nicht so viel Erfahrung, und wenn es jetzt primär gar nicht mehr um die Fahrzeuge, sondern um die Mobilitätsdienstleistung gehen soll, dann braucht es eine neue Orientierung, da muss man voneinander lernen, da müssen die Autobauer etwas loslassen, ohne aber soviel loszulassen, dass sie nicht mehr selbst am Steuer sitzen. Letztendlich geht es auch bei einem Elektroauto, immer noch um ein Auto, auch wenn dieses Auto auf Connectivity angewiesen ist. Und die Gesamtverantwortung für das Auto wird immer noch beim Autobauer liegen und dort wird sie auch bleiben. Daher müssen die Hersteller ihre neuen Herausforderungen sehen und sie intensiv beleuchten, um zu verstehen, was denn nun in das Auto rein soll, und was vielleicht besser draußen bleibt, weil es aus der gewandelten Sicht des Endverbrauchers, des mobilen Kunden, keinen echten Mehrwert schafft.

IP-GreenMobility: Das bedeutet, die Automobilhersteller müssen eine Entscheidung treffen, welche IT sie in das Auto integrieren, und sie müssen herausfinden, was der Kunde von heute will. Es sind ja auch generationsmäßig gesehen sehr unterschiedliche Welten, die hier aufeinanderprallen …

 

Peter Fuß: In der Tat. Den Kunden verstehen, den Mobilitätskunden der Zukunft zu verstehen ist ganz entscheidend, und erschwerend kommt hinzu, dass ich nicht mehr nur den einen Mobilitätskunden auf der Welt habe, ich habe den Mobilitätskunden, der in China andere Präferenzen hat als der Mobilitätskunde in den USA oder in Europa. Hinzu kommt, dass ich natürlich unterschiedliche demografische Veränderungen habe. Ich habe auf der Welt Regionen, die eher jung bleiben, weil das Eintrittsalter in die Mobilität sehr niedrig ist, dort sind die Präferenzen andere als in einer überalterten Gesellschaft. In einigen europäischen Ländern muss ich Lösungen anbieten, die auf die Anforderungen einzelner Automobilitätskunden zugeschnitten sind. Das ist eine immense Herausforderung, auch für die Marktforschung, denn es gilt eben nicht mehr „One size fits all“. Hier muss die Automobilindustrie wirklich sehr kundenspezifisch vorgehen, und das dann auch noch im Tandem mit „artfremden“ Unternehmen aus der IT-Branche.

IP-GreenMobility: Sie sehen also Regionalisierung und sogar Individualisierung. Die herkömmliche Benzin/ Dieseltechnologie hat funktioniert vom Nordpol bis in die Sahara – sehen Sie daher eher Nischen für die Elektromobilität weltweit und glauben Sie, dass wir in bestimmten Regionen noch sehr lange herkömmliche Motoren brauchen werden?

Peter Fuß: Na ja, es gibt natürlich die Entwicklung, dass wir in den Megacities dieser Welt, insbesondere im asiatischen Raum, neue Mobilitätskonzepte brauchen, denn dort haben wir nur noch einen gigantischen Stau. Noch schlimmer ist, dass die Menschen dort auch im Smog ersticken, denn es gibt auch in den Schwellenländern noch Regionen, die sehr abhängig sind von fossilen Brennstoffen. Dort ist es auch ein politisches Anliegen, in die Elektrifizierung des Antriebs zu gehen. Wir haben auf der anderen Seite Flächenländer wie die USA. Wenn man an einen Flächenstaat wie Texas denkt, kann man sich Elektromobilität im Augenblick im ländlichen Bereich noch nicht wirklich vorstellen, weil einfach zu große Stecken zu überwinden sind. Dort wird noch sehr viel mit Pick-ups transportiert, das gehört zum täglichen Leben. Wir haben also sehr unterschiedliche Entwicklungen in den Regionen dieser Welt. Es wird Regionen geben, wie schon gesagt, wo die Elektrifizierung der Antriebe schneller gehen wird als in den Flächenländern, wie den USA. Aber auch die USA sind nicht monolithisch. In Kalifornien wird es einen E-Hype geben, weil man sich dort für die Elektrifizierung begeistert, weil ein „Green Image“ inzwischen schick geworden ist, aber auch dort wird es ziemlich lange dauern, bis sich die Elektrifizierung durchsetzt. Wir werden also auch weiterhin einen hohen Anteil an Benzin und Dieselfahrzeugen haben – in den nächsten Jahren, in den nächsten Jahrzehnten.

IP-GreenMobility: „Green Image“, wenn in den Tourismusregionen heute schon z.B. in Südtirol ein 5-Sterne-Hotel seinen Gästen anbietet, mit einem Elektroauto zu fahren, da ergibt sich sowas wie ein Markt, das Elektroauto als Elitenprojekt im Tourismus, und als Ergänzung zu Wellness. Ist das der momentanen Situation geschuldet, dass man sich mit Elektromobilität abheben, distinguieren, kann?

Peter Fuß: Ich sehe auch, dass in bestimmten Regionen ein gewisser Hype eingesetzt hat, dass es eben schick ist, dieses grüne Image, und dass hier auch mit elektromobilen Zusatzangeboten die Distanz untermauert wird. Ich sehe das aber im Moment noch nicht als einen nachhaltigen Trend, der eine große Relevanz hat.

IP-GreenMobility: Es steht also alles unter dem Vorbehalt des Ungewissen, und es müsste sich erstmal rechnen?

Peter Fuß: Es muss sich rechnen. Wichtig ist, dass der Endverbraucher, der Kunde, Elektrofahrzeuge auf der Straße bewusst wahrnimmt. Das wird sicher etwas sein für 2014 / 2015, gerade in Deutschland, dass man erkennt, dass diese Autos fahren, dass sie nicht nur rumstehen, dass auch der Fahrspaß und die Fahrfreude mit dem Elektroantrieb nicht verschwinden. Es muss sichtbar werden, dass hier eben keine großen Einbußen notwendig sind, wenn wir ein Elektroauto von A nach B bewegen. Dafür muss der Verbraucher das erst einmal ausprobieren, um sehr schnell festzustellen: Oh, das ist ja doch etwas Neues, das will ich haben. Erst dann werden die anderen Themen folgen. Aber man muss die Autos dazu auf der Straße sehen, und im Augenblick sind ja einige Automobilbauer dabei, diese Produkte auf die Straße, auf den Markt zu bringen, und da können wir dieses Jahr gespannt sein, wie das vom Endverbraucher aufgenommen wird., und wie sich die Stückzahlen von Elektroautos nach oben entwickeln werden.

IP-GreenMobility: Der Hype, der um den Tesla herum entstanden ist, von dem kann man vielleicht was lernen, aber die Unternehmen müssen ihr jeweilig bestes Geschäftsmodell noch finden, es genau erkennen, um sagen zu können, da steigen wir jetzt ein, oder um zu sagen, das schauen wir uns in Ruhe an. Solche Entwicklungen, die von außen nach Deutschland kommen, sie können ja auch beides, entweder hemmen oder die Bereitschaft fördern, da mitzumachen. Der Tesla macht es vor …

Peter Fuß: Ja Es braucht bei allen technischen Entwicklungen Vorreiter, die die Geschwindigkeit vorgeben, auch den Trend vorgeben, und dann besteht die Hoffnung, dass andere folgen. Und das sind eben im Moment Tesla und einige andere Autobauer. Die sind unterwegs, nicht alle mit der gleichen Geschwindigkeit, und die bringen die Fahrzeuge raus aus den Entwicklungslabors, sie bieten etwas zum Fahren und zum Kaufen. Das ist ungemein wichtig, um einen Trend sichtbar und hörbar einzuläuten, und dann muss man sich aber mit dem Gesamtkonzept der neuen Mobilität auseinandersetzen, das gesamte Geschäftsmodell überdenken. Erst einmal muss aber das Produkt auf der Straße sichtbar, spürbar, erfahrbar sein, denn alles andere ist graue Theorie, und damit sind noch nie Trends nach vorne entwickelt worden.

 

 

  

 

 

 

%d Bloggern gefällt das:
Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Keine Elektromobilität ohne funktionierende Ladeinfrastruktur.

Folgender persönlicher Appell kursiert derzeit im Netz, der es wert ist,  verbreitet und und online und offline diskutiert zu werden:

Schließen