Arena „Zukunftsstadt“ des 9. Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik

Am 17.09.2015 wurde im Rahmen des 9. Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik mit dem Thema „Städtische Energien – Integration leben“ die Arena Zukunftsstadt, moderiert von Hilmar von Lojewski, Leiter des Dezernats Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Verkehr des Deutschen Städtetages, abgehalten. Geladen hatte Lojewski die Referenten Klaus Burmeister, Gründer des foresightlabs, den Landschaftsarchitekten und Stadtplaner Prof. Herbert DreiseitlProf. Tobias Walliser vom LAVA (laboratory for visionary architecture) und Bernd TischlerOberbürgermeister der InnovationCity Ruhr Bottrop.

Megatrends und nachhaltige Zukunftsmärkte

Den Auftakt bildete Klaus Burmeister mit seinem Vortrag „Megatrends und nachhaltige Zukunftsmärkte„. Er beobachtet einen technologieverherrlichenden Hype um Megatrends in der öffentlichen Diskussion, findet aber die Beobachtungsperspektive eines integrativen und systematischen Paradigmenwechsel für hilfreicher aktuelle und zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen zu verstehen. Burmeister beobachtet eine Verlagerung der Wertschöpfung von Produkt zu Dienstleistung, stärkerer Integration, sowie Dezentralisierung.
Dieses deutet er als digitale Transformation von Geschäftsprozessen. Ihm stellt sich die Frage was in einer automatisierenden Gesellschaft den sinnstiftenden Wert von Arbeit ersetzt. Dieses sieht er in der shared economy und dem Übergang zu kooperativeren Wertschöpfungsprozessen.
Als Ziele sieht Burmeister vorrangig den Ausbau der Lokalität, der dezentralen Produktion, der urbanen Teilhabe und der resilienten Infrastrukturen, welche vor Allem lern-, widerstands- und anpassungsfähig sein müssen.

Die nachhaltige Stadt

Burmeister nachfolgend sprach Herbert Dreiseitl über das Thema „Die nachhaltige Stadt„. Für Dreiseitl steht die Frage was eine lebenswerte Stadt ausmacht zentral. Statt eines technikverherrlichenden Denken der smart cities und smart solutions sieht Dreiseitl  den Erfolg einer Stadt in sozialen und kulturellen Aspekten, insbesonders in der Vielfalt und Diversität von Städten.
Dreiseitl plädiert für vernetztes, integratives Denken in der Stadtplanung, abseits von Finanz- & Ressourtsilos. Weiterhin warnt Dreiseitl davor, Städteplanung von oben zu machen, sondern wirbt dafür diese inkrementell und von unten zu gestalten.

Verkehrskonzepte der Zukunft

In seinem Vortrag „Verkehrskonzepte der Zukunft“ beschäftigte sich Tobias Walliser vor Allem mit Visionen von Mobilitäts- & Verkehrskonzepten in Städten der Zukunft. Für Walliser stellt die Transformation der Frage „Wie viele Autos können sich durch eine Strasse bewegen?“ in der Denke des 20. Jahrhunderts zur Frage „Wie viele Menschen können sich durch eine Strasse bewegen?“ im 21. Jahrhundert exemplarisch für ein anderes Denken von Mobilität im 21. Jahrhundert. Dieses Denken stellt aber nur einen Aspekt dar, den Walliser für Nachdenken über Mobilität wichtig findet. Andere Aspekte sind die Verbindung der Mobilitätsfrage mit Raumnutzungsfragen, sowie der Frage des Energieerzeugung.
Wie seine Vorredner plädiert Walliser folglich für ein integrierendes Denken von Mobilien (ebenso wie Immobilien). Mit der Kommunikation dieser untereinander beleuchtet er zudem einen weiteren Aspekt dieses Feldes.

Blauer Himmel, grüne Stadt

Die Reihe der Vorträge der Arena „Zukunftsstadt“ schloss nach visionären und eher abstrakten Vorträgen mit dem praktisch orientiertem Vortrag „Blauer Himmel, grüne Stadt“ von Bernd Tischler,  Oberbürgermeister der Stadt Bottrop.
Bottrop hat sich als InnovationCity Ruhr zum Ziel gesetzt im Rahmen eines klimagerechten Stadtumbaues bis 2020 50% CO2-Emissionen einzusparen. Dies möchte Bottrop mit einem integrativen Programm erreichen, das die Aspekte Wohnen, Arbeit, Energie, Mobilität und Stadt umfasst, und Wirtschaft, Kommune und Wissenschaft einschließt.
Aufgrund der Zeit konnte Tischler nur einen Teil des ambitionierten, etwa 200 Punkte umfassenden Programmes vorstellen. So enthält dieses neben technischen Maßnahmen auch Informations- & Kommunikationsmaßnahmen, sowie Fördermaßnahmen. Tischler sieht die Stadt auf gutem Weg, und lädt andere Kommunen ein von diesen Programmen zu lernen.

Ideentransfer und Partizipation

In der anschließenden Diskussion spiegelten sich vielfältige Aspekte der durch die Referenten angesprochenen Themen wieder.
Zu Aspekten der Kommunikation & Partizipation wurde angemerkt, dass über diese hinweg zur Aktivierung gegangen werden muss, und Partizipation alleine nicht ausreiche. Aus Sicht der Kommunen lud Tischler zum Ideentransfer und Schaffen von Experimentierräumen ein. Burmeister lud ebenso dazu ein ‚good practices‘ zu teilen, mahnte aber, dass Akteure mit Interessen dahinter stehen müssten.
Auch Walliser bezog sich auf gute Kommunikation der Kommunen und hielt die Städte dazu an, die Nachfrage für Mobilitätssysteme aus dem Dialog mit den Bürgern heraus zu entwickeln und darauf basierend den richtigen Mix zu finden.
Für den Dialog im Rahmen einer Suffizientdebatte war auch für Burmeister wichtig, dass sich Menschen in Städten über Ziele unterhalten, die in Anschlussstellen andere Mobilität münden.

Raumnutzung und Mobilitätskonzepte

Zur Frage, wie neue Mobilitätskonzepte für Kleinstädte genutzt werden könnten, merkte Lojewski an, dass Städte mit ca. 100.000 Einwohnern das größte Innovationspotential aufweisen.
Im Bezug auf die in den Vorträgen angemerkte Raumnutzung, bemerkte Lojewski dass Raum nicht nur unter Bedingungen des technischen Wandels anders genutzt müsste, was ebenso von Walliser gesehen wird, obwohl dieser denkt, dass dieses durch technische Innovation gelöst würde.
Einen weiteren Komplex bildeten die Fragen zum Thema Mobilitätsanbieter. Diese waren zum Einen wie die Massenleistungsfähigkeit von Mobilitätssystemen mit bleibenden Nachfragespitzen gewährleistet werden kann, zum Anderen wie mit dem Paradigmenwechsel im Bezug auf Automobilhersteller umgegangen werden sollte.
Für Dreiseitl muss sich hier mehr Konzentration, Überlagerung und Vielfalt ergeben um mit stattfindender Verdichtung umzugehen. Diese muss dann multifunktional von statten gehen. Zur Frage der Automobilhersteller bemerkte Walliser, dass autonome Autos den ÖPNV nicht ersetzen können, sondern Verkehrsmittel anders gedacht werden müssen.

 

Nachhaltige Stadtentwicklung ist schon seit langem ein großes Thema von uns, sei es beim nachhaltigen Bauen, in der grünen Mobilität oder im integrativen Dialog.

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Diskussion: Arena „Zukunftsstadt“

Zur Diskussion der  Arena Zukunftsstadt des 9. Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik mit dem Thema "Städtische Energien - Integration leben", lud Hilmar von Lojewski die Teilnehmer

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